Das Wichtigste in Kürze

Wenn wir zwei Festkörper zusammendrücken, entsteht an ihrer Grenzfläche \(A\) ein Druck \(p\), den wir in diesem Fall Auflagedruck nennen. Er entspricht der Kraft \(F\) pro Fläche \(A\):

\[ p = \frac{F}{A} \]

Grosse Auflagedrücke erreichen wir mit einer grossen Kraft oder typischerweise mit einer sehr kleinen Fläche.

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    Häufigste Fragen

    Der Auflagedruck \(p\) berechnet sich aus der Kraft \(F\), mit welcher zwei Flächen \(A\) aufeinander drücken:

    \[ p = \frac{F}{A} \]

    Je grösser die Kraft und je kleiner die Fläche, desto grösser ist der Auflagedruck.

    Die Einheit des Drucks sind Newton pro Quadratmeter, die auch mit der Einheit Pascal (Pa) geschrieben werden können:

    \[ [p] = \frac{\text{N}}{\text{m}^2} = \text{Pa} \]

    Jeder Druck ist richtungslos. Beim Auflagedruck ist das jedoch etwas verwirrend, denn die Kontaktfläche, auf die gedrückt wird, hat definitiv eine Richtung.

    Die Kraft wirkt senkrecht (normal) zur Fläche.

    Der Auflagedruck ist für beide Flächen gleich, unabhängig davon “wer” drückt, z.B. ist der Auflagedruck unterhalb von einem Absatz eines Damenschuhs wegen der kleinen Fläche relativ gross. Er ist gleich gross für den Boden, wie auch für den Schuh selbst.

    Wenn zwei Festkörper sich berühren und gegeneinander mit einer Kraft drücken, dann entsteht an der Kontaktfläche ein Auflagedruck.

    Wir können uns den Auflagedruck ein bisschen wie eine “Kraftdichte” vorstellen. Wenn die Kraft nur auf eine kleine Fläche wirkt, dann ist der Auflagedruck sehr gross. Wird die gleiche Kraft aber auf eine grosse Fläche verteilt, ist der Auflagedruck sehr klein.

    Ein weiterer Unterschied ist die Richtung: Eine Kraft hat einen Betrag und eine Richtung, in welcher sie wirkt. Druck hat auch einen Betrag, jedoch keine Richtung. Wir können uns das ähnlich zu einer Temperatur vorstellen: Es herrscht einfach “Druck”.

    Da die Auflagefläche bzw. Kontaktfläche, an welcher der Druck herrscht, eine Richtung hat (Orientierung der Fläche), wissen wir immer gleich auch die Richtung der Kraft, die zum Auflagedruck gehört.

    “Teilchen, die diese elektromagnetische Kraft nicht spüren (z.B. Neutrinos), fliegen durch unsere Hand oder Wand, wie ein Flugzeug durch eine Wolke!”

    Was passiert, wenn zwei Flächen sich berühren?

    Wenn wir z.B. mit der flachen Hand gegen die Wand drücken, so reagiert die Wand mit einer Normalkraft, die dagegen wirkt. Je stärker wir drücken, desto grösser ist der Druck.

    Ich möchte Dir nachfolgend eine Modellvorstellung geben, die zwar bewusst nicht stimmt, aber das Bild der Realität klarer macht:

    Irgendwie treffen die beiden Materialien aufeinander und wir spüren die harte Wand. Was passiert da genau?

    Material besteht aus Molekülen oder Atomen, die je von einer grossen Elektronenwolke umgeben sind. Ich sage gross, weil seit dem Experiment von Rutherford wissen wir, dass der Kern so unglaublich viel kleiner ist, als das Atom selbst.

    Wir zwingen jetzt gewissermassen die Atome der Hand in die Atome der Wand hinein, so dass deren Elektronenwolken aufeinander stossen. Stell Dir vor, eine richtige Wolke kommt von oben und drückt auf die Wolkendecke unten. ☁️

    Auflagedruck
    Auflagedruck: Wie bei echten Wolken sind auch die Elektronenwolken eines Feststoffs nicht mit Material gefüllt, sondern eigentlich “leer”
    Image by Emmanuel Appiah, shared on Unsplash

    Wir wissen ja: Es ist leider nicht möglich, auf einer Wolke zu liegen! Wir würden durch die Wolke fallen. Deshalb würden sich zwei Wolken ohne Probleme durchdringen.

    Wie erklären wir den “harten Widerstand” der Wand? Mit der Hand können wir nicht in die Wand hineingreifen, weil sich die Elektronenwolken von Hand und Wand gegenseitig mit der sog. Coulombkraft abstossen.

    Hätten die richtigen Wolken auch so eine Kraft, dann wäre die Wolkendecke für eine andere Wolke eine harte Fläche.

    Für andere Objekte, die diese Kraft nicht kennen, wäre alles beim Alten. Ein Flugzeug würde z.b. diese “Wolkenkraft” nicht kennen und könnte ungehindert durch eine Wolke fliegen. In Wirklichkeit können kleinste Teilchen (z.B. Neutrinos) durch unsere Hand oder durch die Wand fliegen. Weil dort gar nichts ist, ausser Elektronenwolke!

    “Die Wand ist nicht hart, weil ‘dort etwas ist’, sondern weil sich die Elektronenwolken mit der Coulombkraft abstossen.”

    Einfluss der Grösse der Fläche

    Die Coulombkraft nimmt umso mehr zu, je mehr sich die Elektronenhüllen, durch äusseren Zwang, durchdringen müssen. Die Reaktion darauf ist die abstossende Kraft, die wir bislang als Normalkraft bezeichnet hatten.

    Im nachfolgenden Bild sehen wir wie ein “blauer Feststoff” auf eine rote Unterlage drückt. Die Atomkerne sind als Punkte dargestellt, die Elektronenwolken als halb-transparente Kreise. Wir sehen, dass sie sich bei Druck leicht überlappen können.

    Überlappung der Elektronenwolken. Kleiner Auflagedruck bei grosser Fläche, grosser Auflagedruck bei kleiner Fläche
    Überlappung der Elektronenwolken. Kleiner Auflagedruck bei grosser Fläche, grosser Auflagedruck bei kleiner Fläche

    In beiden Fällen wirkt die gleiche Kraft \(F\). Links wird sie über eine grosse Fläche \(A_1\) verteilt. Rechts ist die gleiche Kraft auf eine kleinere Fläche \(A_2\) konzentriert.

    Wir sehen, dass links mehr Elektronenhüllen beteiligt sind und sie die Kraft untereinander besser aufteilen.

    Bei einer kleineren Fläche \(A_2\) übernimmt die einzelne Elektronenhülle mehr Kraft und muss auch mehr Überlappung erdulden.

    Da die Anzahl beteiligter Elektronenhüllen proportional zur Kontaktfläche ist, können wir für die Belastung des Materials die drückende Kraft durch die Kontaktfläche teilen. Diese neue Grösse heisst Auflagedruck:

    \[ p = \frac{F}{A} \]

    Wie berechnet man den Auflagedruck?

    Wenn wir zwei Festkörper zusammendrücken, entsteht an ihrer Grenzfläche ein Druck, den wir in diesem Fall Auflagedruck nennen.

    Der Auflagedruck \(p\) berechnet sich aus der Kraft \(F\), mit welcher zwei Flächen \(A\) aufeinander drücken:

    \[ p = \frac{F}{A} \]

    Die Kraft \(F\), die auf die Fläche \(A\) wirkt, führt zu einem Auflagedruck \(p\)
    Die Kraft \(F\), die auf die Fläche \(A\) wirkt, führt zu einem Auflagedruck \(p\)

    Der Auflagedruck ist so etwas wie die ‘Kraftdichte’, d.h. wie stark die Kraft durch auf einer Fläche verteilt (kleiner Auflagedruck) oder wie stark sie auf eine kleine Fläche ‘aufkonzentriert’ ist (grosser Auflagedruck).

    Die Einheit des Auflagedrucks ist Pascal (Pa), benannt nach Blaise Pascal (1623-1662), dem französischen Mathematiker und Physiker.

    \[ [\,p\,] = \frac{\text{N}}{\text{m}^2} = \text{Pa} \]

    In der Kontinuumsmechanik, d.h. in der Lehre der Belastungen und Deformationen von Materialien, spricht man nicht von Auflagedruck, sondern von der Druckspannung \(\sigma\) im Material:

    \[ \sigma = \frac{F}{A} \]

    Hat der Auflagedruck eine Richtung?

    Das ist eine knifflige Frage!

    Die Kraft hat ganz klar eine Richtung und wird in der Physik deshalb auch mit einem Vektor beschrieben, der einen Betrag hat (Länge des Pfeils) und eine Richtung.

    Etwas weniger offensichtlich ist aber, dass die Kontaktfläche, wo der Auflagedruck entsteht, eine Richtung hat. Wir können sie mit dem Lot auf die Fläche angeben.

    Weil wir beim Druck aber festgehalten haben, dass er grundsätzlich keine Richtung hat und auch kein Vektor ist, beantworte ich diese Frage mit einem nein. Der Auflagedruck hat keine Richtung. 🙂

    Beachte, dass die verwandte Grösse Druckspannung eine Richtung hat.

    Grosse und kleine Auflagedrucke

    In der Formel für den Auflagedruck erkennen wir, dass wir einen hohen Auflagedruck erreichen…

    • mit einer sehr grossen Kraft
    • mit einer sehr kleinen Fläche

    Wenn wir uns z.B. auf einen zugefrorenen See wagen, können wir das Risiko des Einbrechens reduzieren, wenn wir unsere Gewichtskraft auf eine möglichst grosse Fläche verteilen. Das erreichen wir im Liegen oder wenn wir auf einem Brett stehen, das die Krafteinleitung ins Eis verteilt.

    Wollen wir aber ein Loch ins Eis bohren, ist es gerade umgekehrt: Wir wählen einen möglichst spitzen Bohrer, der mit seiner kleinen Fläche das darunter liegende Eis aufbrechen kann.

    Hoher Auflagedruck auf der Eisschicht stehend, kleiner Auflagedruck liegend
    Hoher Auflagedruck auf der Eisschicht stehend, kleiner Auflagedruck liegend
    © by Riccardo, https://www.pexels.com/photo/two-person-wearing-shoes-in-front-of-each-other-300875/, CC0

    Aus physikalischer Sicht nicht zu empfehlen wäre das Tragen von Schlittschuhen mit dünnen Kufen ⛸️ oder Schuhen mit hohen Absätzen. Diese leiten die Gewichtskraft über eine sehr kleine Fläche in den Boden und würden deshalb am ehesten sich ins Eis hineinbohren.

    Sehr hoher Auflagedruck an den dünnen Absätzen
    Sehr hoher Auflagedruck an den dünnen Absätzen
    © by Castorly Stock, https://www.pexels.com/photo/red-leather-peep-toe-heeled-sandals-3682292/, CC0

    Die nachfolgende historische Aufnahme eines Fakirs zeigt ihn auf dem Nagelbrett. Die Gewichtskraft wird auch hier über sehr kleine Flächen übertragen, so dass hohe Auflagedrücke entstehen.

    Der Fakir liegt auf einem Nagelbrett. An den Spitzen herrscht ein hoher Auflagedruck
    Der Fakir liegt auf einem Nagelbrett. An den Spitzen herrscht ein hoher Auflagedruck © by Oziris, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fakir_on_bed_of_nails_Benares_India_1907.jpg, CC0

    Viel bequemer wäre das weiche Sofa im nächsten Bild! Hier wird die Gewichtskraft über eine maximale Fläche verteilt, so dass wir kaum einen Auflagedruck mehr spüren.

    Auflagedruck: Weiches Sofa
    Auflagedruck: Weiches Sofa © by rahucare, https://pixabay.com/de/photos/sofa-beistelltisch-%C3%A4sthetisch-mauer-9181557/, CC0

    Die Weltmeister des Auflagedrucks sind Nadeln und Messerklingen. Sie arbeiten beide mit der Wirkung von extrem kleinen Flächen. Die Kontaktfläche ist so klein, dass der hohe Auflagedruck das darunter liegende Material leicht durchdringen kann. 😫

    Die Nadel einer Spritze ist so fein, dass ein extrem grosser Auflagedruck entsteht, der die Haut einfach durchbricht
    Die Nadel einer Spritze ist so fein, dass ein extrem grosser Auflagedruck entsteht, der die Haut einfach durchbricht © by PhotoLizM, https://pixabay.com/de/photos/spritze-gesundheitswesen-nadel-417786/, CC0

    Beispiel

    Du hast verschiedene Würfel (bzw. Quader) auf einem Tisch. Die Seitenkante beträgt \(a=10\,\text{cm}\). Die Gewichtskraft der Würfel ist \(F_g=10\,\text{N}\). Ermittle die vier Auflagedrücke \(p\) in \(\text{N}/\text{m}^2\).

    In der ersten Situation haben wir einen Würfel mit Gewichtskraft \(F_g=10\,\text{N}\), aufliegend auf seiner Würfelfläche von \(A=100\,\text{cm}^2\). Der Auflagedruck ist also: \[ p = \frac{10\,\text{N}}{100\,\text{cm}^2} = \frac{10\,\text{N}}{10^2 \cdot 10^{-4}\,\text{m}^2} = 10^{1-2-(-4)}\,\text{N}/\text{m}^2 \] \[ p = 10^3\,\text{N}/\text{m}^2  \] In der zweiten Situation haben wir die doppelte Gewichtskraft, aber die gleiche Fläche. Damit verdoppelt sich der Druck auf der Unterseite des unteren Würfels \(p = 2 \cdot 10^3 \;\text{N}/\text{m}^2\). Die dritte Situation hat mit dem doppelten Würfel wieder die doppelte Gewichtskraft, jedoch auf der doppelten Auflagefläche. Damit wird die doppelte Kraft auf eine doppelte Fläche verteilt, was zum gleichen Druck führt, wie unterhalb eines Würfels, nämlich \(p = 10^3\;\text{N}/\text{m}^2\). Beachte, dass wir auch einfach nur den einen Würfel anschauen können. Der Auflagedruck ist unabhängig vom zweiten Würfel. Schliesslich haben wir zwei halbe Würfel mit der doppelten Fläche, d.h. die Gewichtskraft eines Würfels wird auf die doppelte Fläche verteilt, was zum halben Druck führt: \(p = 0.5\cdot 10^3 \;\text{N}/\text{m}^2 = 500 \;\text{N}/\text{m}^2\).

    Beispiel

    Du drückst mit der flachen Hand (\(A=100\,\text{cm}^2\)) mit einer Kraft von \(F=100\,\text{N}\) gegen eine Wand. Wie viel beträgt der Auflagedruck in bar?

    Wir nehmen die Definition des Drucks und teilen die Kraft durch die Fläche. \[ p = \frac{100\,\text{N}}{100\,\text{cm}^2} \] Um die Druckeinheit Pascal (\(\text{Pa}\)) zu erhalten, drücken wir die Fläche in \(\text{m}^2\) aus: \[ p = \frac{10^2\,\text{N}}{10^2 \cdot (10^{-2}\text{m})^2} = 10^{2-2+4}\,\text{Pa} = 10^4\,\text{Pa} \] Jetzt können wir von Pascal zu bar wechseln, indem wir uns erinnern, dass es \(10^5\,\text{Pa}\) in \(1\,\text{bar}\) hat: \[ p = 10^4\,\text{Pa} = 10^{-1} \cdot (10^5 \,\text{Pa}) = \underline{0.1\,\text{bar}} \]

    Aufgabensammlung

    • Diverse Aufgaben (0098)

      5 Teilaufgaben mit Lösungen (pdf/Video):
      •Verschiedene Anwendungen des Auflagedrucks
      • Auflagedruck berechnen

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      2 Teilaufgaben mit Lösungen (pdf/Video):
      • Auflagedruck von Reifen
      • Diskussion variierender Reifendruck

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    • Härteprüfung (0100)

      4 Teilaufgaben mit Lösungen (pdf/Video):
      • Anwendung Auflagedruck

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    Lernziele

    • Du weisst, wie der Auflagedruck entsteht und warum.

    • Du kannst den Auflagedruck berechnen und zwischen den Einheiten ‘Pascal’ und ‘bar’ umrechnen.

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    Autor dieses Artikels:

    David John Brunner

    Lehrer für Physik und Mathematik | Mehr erfahren

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