Das Wichtigste in Kürze

Der Druck, der in einem eingeschlossenen Fluid (Gas oder Flüssigkeit) herrscht, ist der Kolbendruck. Er verteilt sich im Behälter mit der Schallgeschwindigkeit, d.h. er ist praktisch sofort überall gleich verteilt.

Eine Flächen \(A\), die mit dem Fluid mit Druck \(p\) in Kontakt steht, erfährt die Kraft \(F\):

\[ F = p \cdot A \]

Je grösser diese Fläche, desto grösser die Kraft. Deshalb wird der Kolbendruck in der Hydraulik bzw. Pneumatik angewandt, um Energie einfach zu verteilen oder als Kraftwandler zu nutzen.

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    • Kolben- und Schweredruck – Hydraulisches System (0101)

      Dauer: 10 min 59 s

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    • Kolben- und Schweredruck – Hydraulisches System (0101)

      Dauer: 10 min 59 s

    “Der Blutdruck ist physikalisch gesehen, ein Kolbendruck” 😷

    Entstehung des Kolbendrucks

    Ist ein Fluid (Gas oder Flüssigkeit) in einem Behälter eingeschlossen, herrscht in ihm ein gleichmässiger Druck. Wir vernachlässigen hier den Einfluss der Höhe der Flüssigkeitssäule, d.h. wir betrachten Systeme, die keine grosse Höhe haben und damit der Einfluss des Eigengewichts des Fluids (Schweredruck) vernachlässigt werden kann.

    Wenn lokal irgendwo ein etwas grösserer Druck herrschen sollte, wird dieser Druck sofort durch Teilchenstösse weiter gegeben. Er gleich sich deshalb schnell aus.

    Drücken wir mit der Kraft \(F\) auf eine Fläche \(A\) auf das Fluid, entsteht unmittelbar bei der Fläche der Auflagedruck \(p\)

    \[ p = \frac{F}{A} \]

    Dieser Druck verteilt sich jetzt aber im Fluid sofort und überall. Ganz genau genommen, breitet sich eine (kleine) Druckwelle mit der Wellengeschwindigkeit aus, die in diesem Fall der Schallgeschwindigkeit entspricht.

    Bei Luft beträgt die Schallgeschwindigkeit rund \(343\,\text{m}/\text{s}\). Für eine Distanz von 1 m sind das etwa \(3\,\text{ms}\). In Flüssigkeiten ist die Schallgeschwindigkeit noch Faktoren grösser, so dass wir in den meisten Fällen die Ausbreitung als “sofort” bezeichnen dürfen! ⚡️

    Die Kraft \(F\) wirkt auf der Fläche \(A\) und erzeugt den Kolbendruck \(p\), der sich mit Schallgeschwindigkeit im ganzen Fluid ausbreitet
    Die Kraft \(F\) wirkt auf der Fläche \(A\) und erzeugt den Kolbendruck \(p\), der sich mit Schallgeschwindigkeit im ganzen Fluid ausbreitet

    Über die Kraft \(F\) können wir von aussen den im Behälter herrschenden Druck \(p\) beeinflussen.

    Der Kolbendruck kommt in sehr vielen Anwendungen vor. Allen voran stehen hydraulische Systeme mit einer eingeschlossenen Flüssigkeit, meistens Hydraulik-Öl. In pneumatischen Systemen, wird meistens Luft unter Druck gesetzt.

    Wir finden das Prinzip des Kolbendrucks aber auch in der Natur: Erdöl- und Erdgasvorkommen stehen unter Druck, weil die Gesteinsschichten auf sie drücken. Im Körper setzt der Herzmuskel das Blut unter Druck. Wir haben dann im arteriellen System das Blut unter Druck.

    Der Herzmuskel drückt in der Herzkammer(über eine Fläche) mit einer Kraft auf das Blut. So steht das Blut in den Arterien unter Druck und fliesst durch die Kapillaren zu den Venen.
    Der Herzmuskel drückt in der Herzkammer (über eine Fläche) mit einer Kraft auf das Blut.
    So steht das Blut in den Arterien unter Druck und fliesst durch die Kapillaren zu den Venen.
    links: Image by Jörg Rittmeister, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herz_Schema.jpg, GFDL / rechts: Image by Anka Friedrich, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anatomie_Blutkreislauf.svg, CC BY-SA 2.5
    Messung des Blutdrucks
    Messung des Blutdrucks Image by soc7, https://pixabay.com/de/photos/blutdruckmessger%C3%A4t-blutdruck-915652/, CC0

    “Wir können so extrem hohe Kräfte erreichen, die sonst kein Motor dieser Welt je aufbringen könnte!” 😵

    Prinzip der Hydraulik

    Hydraulische und pneumatische Systeme nutzen das Prinzip der Hydraulik, wonach ein Fluid mit einem Kolben unter Druck gesetzt worden ist (Kolbendruck).

    Beispiele:

    • Hydraulische Bremsen
    • Erreichung von sehr grossen Kräften in hydraulischen Pressen
    • Anheben von grossen Lasten mit hydraulischen Hebesystemen
    • Bagger für alle Bewegungen und auch grosse Kräfte
    • Hydraulisches System für die Bewegung der Ruder beim Flugzeug
    • Druckluftbremsen bei der Eisenbahn

    Hat das Fluid irgendwo ein “Fenster”, wo es ohne Gegenkraft austreten kann, wird es genau an dieser Stelle herausspritzen. Hydraulische Systeme sind deshalb angewiesen, absolut dicht zu sein, sonst verlieren sie ihr Fluid, ihren Druck \(p\) und damit ihre Funktion. 😮

    Auf der einen Seite drücken wir mit einem Kolben mit der Fläche \(A_1\) und der Kraft \(F_1\) auf die Flüssigkeit. In der Flüssigkeit entsteht der Kolbendruck \(p\).

    Auf der anderen Seite erreicht die Flüssigkeit mit dem gleichen Druck \(p\) den anderen Kolben mit der Fläche \(A_2\). Die Flüssigkeit drückt mit der Kraft \(F_2\) auf den zweiten Kolben.

    \[ F_2 = p \cdot A_2 \]

    Der Kolbendruck wird links durch Krafteinleitung erzeugt. Über die hydraulische Flüssigkeit wird die Fähigkeit verteilt, mit einer Kraft zu wirken. Ausserdem kann die Kraft um Faktoren verstärkt werden.
    Der Kolbendruck wird links durch Krafteinleitung erzeugt. Über die hydraulische Flüssigkeit wird die Fähigkeit verteilt, mit einer Kraft zu wirken. Ausserdem kann die Kraft um Faktoren verstärkt werden.

    Wir haben somit eine Kraft \(F_1\) über die Flüssigkeit auf auf einen anderen Kolben übertragen, der dann mit \(F_2\) gedrückt wird. Was bringt das? Es gibt hier zwei grosse Vorteile:

    1. Einsatz als Kraftwandler, meist zur Erzeugung sehr hoher Kräfte
    2. Dezentrale Verteilung von Energie

    Hohe Kräfte können sehr einfach erreicht werden. Wenn der Druck \(p\) auf eine grosse Fläche \(A_3\) wirkt, ist damit automatisch auch die Kraft \(F_3\) viel grösser, denn sie berechnet sich aus dem Druck, multipliziert mit dem Vergrösserungsfaktor “Fläche”:

    \[ F_3 = p \cdot A_3 \]

    Je grösser wir die Fläche \(A_3\) machen, desto grösser wird die Kraft \(F_3\), ohne dass wir bei \(F_1\) etwas ändern müssen.

    Wir können so die Kraft unserer Pumpe um Faktoren vergrössern! Hydraulische Pressen erreichen extrem hohe Kräfte bis \(80\,\text{MN}\), was keine Pumpe oder Motor aufbringen könnte!

    Durch die Verwendung von verschieden grossen Flächen haben wir einen sog. Kraftwandler realisiert. Er wandelt eine kleinere Kraft \(F_1\) in eine grössere Kraft \(F_3\) um.

    Um den zweiten Vorteil besser zu verstehen, schauen wir uns einen Bagger genauer an.

    Bagger arbeiten mit dem hydraulischen Prinzip: Das Hydraulik-Öl wird über die Schläuche dorthin gebracht, wo eine Kraft gebraucht wird.
    Bagger arbeiten mit dem hydraulischen Prinzip: Das Hydraulik-Öl wird über die Schläuche dorthin gebracht, wo eine Kraft gebraucht wird.
    Image by Ricobino, https://pixabay.com/de/photos/abbruch-323f-hydraulik-bagger-cat-2579437/, CC0

    Er hat viele bewegliche Teile, die angetrieben werden müssen. Grundsätzlich könnte man jeden “Arm” mit einem eigenen Motor versehen. Mit Elektromotoren wäre das schon möglich, aber dann müsste der Bagger mit sehr viel Strom versorgt werden. Ein Bagger mit einem Kabel? Nicht gerade praktisch!

    Die Lösung: Ein Verbrennungsmotor treibt eine Pumpe an, die die Hydraulikflüssigkeit unter Druck setzt. Hochdruckschläuche verteilen diese Flüssigkeit und den Druck überall, wo er gebraucht wird. Wir sehen drei dieser Schläuche z.B. am oberen Gelenk.

    Wir können die Einheit, die den Druck erzeugt, dorthin stellen, wo sie am besten aufgehoben ist, z.B. im Hauptkörper des Baggers und können von da weg die Energie einfach mit Hilfe von flexiblen Schläuchen verteilen, wo sie gebraucht wird.

    Beispiel

    Welchen Druck \(p\) (in bar) und welche Kraft \(F_2\) erzeugt die hydraulische Presse? \[ F_1 = 20\,\text{kN}, \quad A_1 = 10\,\text{cm}^2, \quad A_2 = 0.02\,\text{m}^2 \]

    Für den Druck nehmen wir die Definition “Kraft durch Fläche”: \[ p = \frac{F_1}{A_1} = \frac{20\,\text{kN}}{10\,\text{cm}^2} \] Um den Druck in Pascal zu erhalten, wandeln wir die Einheiten in Grundeinheiten um und benutzen die wissenschaftliche Notation: \[ p = \frac{2 \cdot 10^4\,\text{N}}{10 \cdot (10^{-2}\,\text{m})^2} = \frac{2 \cdot 10^4}{10 \cdot 10^{-4}}\,\text{Pa} \] \[ = 2 \cdot 10^7\,\text{Pa} = 200 \cdot 10^5\,\text{Pa} = \underline{200\,\text{bar}} \] Für die Kraft benutzen wir wieder die Definition des Drucks und lösen nach der Kraft auf: \[ F_2 = p \cdot A_2 = 2 \cdot 10^7\,\frac{\text{N}}{\text{m}^2}\cdot 0.02\,\text{m}^2 \] \[ = 0.04 \cdot 10^7\,\text{N} = \underline{400\,\text{kN}} \]

    Aufgabensammlung

    • Hydraulisches System (0101)

      3 Teilaufgaben mit Lösungen (pdf/Video):
      • Prinzip der Hydraulik
      • Kolbendruck berechnen
      • Kraftwandler

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    Lernziele

    • Du kennst das Prinzip der Hydraulik und kennst seine Vorteile. Du kannst auch in eigenen Worten erklären, warum z.B. Baumaschinen meistens mit Hilfe von Hydraulik arbeiten (Verteilung der Energie und Erzielung von grossen Kräften durch Kraftwandlung)

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    Autor dieses Artikels:

    David John Brunner

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